Digitalisierung: Warum ich in Gummistiefeln zur Europawahl gehe


Europawahl Digitalisierung: Gummistiefel auf Rasen
Wahlsonntag in Berlin cc0 Sydney Rae https://unsplash.com/photos/zi2zXhEFbiA

Digitalisierung und Umweltschutz? Bei Naturschutz dachte ich bis vor einiger Zeit an mittelalte Herren in grünen Regenjacken, die durch den Wald gehen und Vögel beobachten. Seit Januar bin ich Naturschutz-Trainee im gemeinsamen Programm von WWF und der Allianz Umweltstiftung. Jetzt kann ich euch sagen: So stimmt das nicht. Erstens sind wir hier sehr viele Frauen. Und zweitens wandelt sich der Natur- und Umweltschutz gerade. Denn Technik hilft dabei die Umwelt zu schützen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und technische Innovationen sind wichtige Werkzeuge. Zum Beispiel kann man mit smarten Technologien Tiger und Wale schützen!

Einige von euch werden jetzt ihren Zeigefinger von der Maustaste heben und vor den Gefahren der Digitalisierung warnen. Zu Recht. Wenn man beispielsweise Landwirtschaft nur effizienter gestaltet, aber trotzdem Regenwälder für neue Anbauflächen abholzt, ist der Umwelt nicht geholfen. Deswegen muss Digitalisierung und Naturschutz durch Gesetze und Richtlinien fair und nachhaltig gestaltet werden. Ziel muss sein, dass sie die Natur und die Menschen schützt. Und hier kommt die EU-Wahl am 26. Mai und deine Rolle als Wähler*in ins Spiel. Denn nicht nur die Bundesregierung in Deutschland arbeitet zur Digitalisierung, auch die EU-Ebene ist entscheidend.

Damit Digitalisierung weder Mensch noch Natur schadet, müssen wir am 26. Mai demnach eine Partei wählen, die sich für eine umwelt- und sozialverträgliche Digitalisierung einsetzt. Also leg den mahnenden Finger wieder auf die Maus und klick dich lieber zum Wahl-O-Mat!

Aber was hat die Europawahl mit Digitalisierung zu tun?

Etwa 80 Prozent aller Gesetzesinitiativen, die im Bundestag diskutiert werden, kommen von der EU. Das gilt auch für künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Das EU-Parlament und die EU-Kommission treffen die wegweisenden Entscheidungen.

Hier zwei Beispiele, was die EU nach der Wahl im Bereich Digitalisierung und Umweltschutz erreichen kann:

  1. Digitalisierte Kreislaufwirtschaft in Europa schützt Ressourcen

Mithilfe einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft können wir Müll recyceln und knappe Ressourcen effizienter nutzen. Das Problem: Kreislaufwirtschaft ist eine schöne Idee, aber in der Praxis gar nicht so leicht umzusetzen. Viel Müll wird  bei uns in Deutschland und in anderen EU-Ländern nicht recycelt, sondern landet auf Deponien oder im Meer, wie meine Trainee Kollegin Alisha hier beschreibt.

Viele Unternehmen nutzen keine oder wenige recycelte Rohstoffe. Grund dafür sind oft fehlende Informationen: Wo findet das Unternehmen brauchbare recycelte Rohstoffe und wo kann es sie einsetzen? Diese Fragen können wir mithilfe von digitalen Technologien beantworten.

Die EU setzt den gesetzlichen Rahmen zum Abfallmanagement. Eine umweltaffine EU-Kommission kann in den nächsten Jahren digital gestützte Kreislaufwirtschaft in allen EU-Mitgliedsstaaten stärken und so unsere Ressourcen schonen.

  1. Digitalisierung macht Landwirtschaft in ganz Europa gerechter

In der Landwirtschaft muss Digitalisierung mehr sein als die Minimierung von Pestiziden durch effizientere Anwendung. Digitalisierung heißt nicht „weiter so“: Natur und Mensch müssen von technischen Neuerungen direkt profitieren. Mit smarten Technologien können wir zum Beispiel bedarfsgerechter produzieren und so Lebensmittelverschwendung verringern. Wir können den wirtschaftlichen Gewinn von kleinen Betrieben stärken, indem wir per App direkt beim Landwirt im Nachbardorf bestellen. Und weil wir Erdbeeren aus Spanien und Käse aus Italien essen, reicht es nicht diese positiven Entwicklungen nur in Deutschland voranzutreiben. Die Diskussion wie wir Digitalisierung für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen, muss auf der EU-Ebene geführt werden.

Wir alle können am 26. Mai in der Wahlkabine dafür sorgen, dass wir diesen Visionen näher kommen. Wenn wir eine Partei wählen, die Europa so gestaltet, wie wir es wollen. Ich gehe auf jeden Fall in Regenjacke und Gummistiefeln in Berlin wählen. Auf dem Weg beobachte ich noch ein paar Vögel im Park. Denn mithilfe dieser App kann ich endlich herausfinden, welche Vogelarten hinter dem Gezwitscher um mich herum stecken. Da sag nochmal jemand Digitalisierung und Naturschutz passt nicht zusammen!

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Rebecca Gerigk

Über mich
Rebecca Gerigk

Ich interessiere mich für Umweltschutz und Politik und bin deshalb Trainee im Bereich Biodiversitätspolitik bei WWF. Bevor ich nach Berlin gezogen bin, habe ich in Lüneburg und Phoenix, Arizona einen Master in Nachhaltigkeitswissenschaften gemacht. Ich habe in verschiedenen Projekten zu nachhaltigen Nahrungsmittelsystemen und Nachhaltigkeitsstrategien gearbeitet und geforscht. Außerdem bin ich überzeugte Europäerin, Schönwetter-Fahrradfahrerin und am liebsten draußen in der Natur!

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