Beifang: Grausames Sterben für eine Handvoll Shrimps


Beigefangener Hai in einer norwegischen Shrimps-Fischerei © Rudolf Svenson / WWF
Beigefangener Hai in einer norwegischen Shrimps-Fischerei © Rudolf Svenson / WWF

Vor einer Weile war ich mit einer Freundin zum Abendessen verabredet. Das Essen war lange geplant und ich freute mich schon sehr darauf. Wir trafen uns bei meinem Lieblings-Thailänder. Ich hatte solchen Hunger und überall um mich herum duftete es verführerisch – ich konnte kaum erwarten, mein Lieblingsgericht vor mir stehen zu haben:  Gelbes Curry  mit Shrimps. Also bestellten wir rasch und schon wenig später stand der volle Teller mit Reis, frischem Gemüse und einer Handvoll Shrimps vor mir auf dem Tisch. Mhmm, yummie…!

Besagte Freundin arbeitete übrigens seit einiger Zeit im Bereich Meeresschutz. Sie schielte auf meinen Teller. Da fragte ich, ob sie mal probieren wolle. „Ähm… nein, danke!“ „Magst du keine Shrimps?“, fragte ich sie. Was sie daraufhin antwortete, irritierte und schockierte mich: „Ich mag Shrimps schon gern. Aber wusstest du, dass für Shrimps etwa vier bis fünf Mal so viele andere Meerestiere als Beifang gefangen werden?“ Wow!! Das haute mich wahrlich um! Was für ein kolossales Missverhältnis! Ein halbes Kilo ungewollt gefangene Meerestiere für einen Teller Reis mit Shrimps?!

Rochen und anderer Beifang werden von einem Shrimps-Fangboot geworfen. © Brian J. Skerry /National Geographic Stock / WWF

Beifang als bekanntes Problem konventioneller Fischerei

Ich hätte schon öfter davon gehört, dass sich in den Netzen der konventionellen Fischerei neben der „gewünschten“ Fischart auch noch andere ungewollte, weil zu kleine oder „wertlosere“, Fische und Meeressäuger wie zum Beispiel Wale und Delfine sowie Meeresschildkröten und Vögel verfangen. Entweder sie ersticken, weil sie nicht rechtzeitig wieder zum Atmen an die Meeresoberfläche gelangen. Oder aber sie ziehen sich bei ihrem Überlebenskampf, sich aus dem Netz zu befreien, gefährliche Verletzungen zu, an denen sie qualvoll verenden. Das ist eine wirklich dramatische Vorstellung. Dass jedoch die fünffache Menge Tiere sinnlos gefangen wird, von dem, was man letztlich isst, hat mich richtig schockiert!

Für Shrimps etwa vier bis fünf Mal so viele andere Meerestiere als Beifang gefangen © Mike R. Jackson / WWF
Für Shrimps werden etwa vier bis fünf Mal so viele andere Meerestiere als Beifang gefangen © Mike R. Jackson / WWF

Wieso nehmen Fischereien den Beifang so missbilligend hin? Ich erfuhr, dass Fischereien oft nur eine bestimmte Sorte Fisch fangen. Aus rein wirtschaftlichen Interessen könnten ihnen also die anderen Fische, die sie zwar fangen, aber anschließend nicht verkaufen können, egal sein.  So passiert es dann leider, dass jährlich Millionen Tonnen Meereslebewesen einfach erstmal mitgefangen werden, um anschließend wieder über Bord geworfen zu werden. Millionen – oh mein Gott!? Schätzungen zufolge sind zwei von fünf gefangenen Meerestieren Beifang und hätten eigentlich nicht gefangen werden sollen. Langfristig führt eine solche Verschwendung unserer Ozeane natürlich zu massiven Problemen.

Beifang: Ist Aquakultur eine Alternative?

Wer dieses System nicht unterstützen möchte, sollte von wild gefangenen, tropischen Shrimps besser die Finger lassen. Eine Alternative wären Shrimps aus Aquakultur, also aus Zuchtbetrieben. Doch hier warten schon die nächsten Probleme: hoher Verbrauch von Süßwasser, was in der Region zu Süßwassermangel und Versalzung führen kann, Abholzung von Mangrovenwäldern, die für Fischen als Kinderstube dienen und der vergleichsweise hohe Futterbedarf von Garnelen mit Fischabfällen oder Pellets aus Fischmehl und Fischöl. Die Abwässer aus den Shrimpsfarmen tragen außerdem Verunreinigen aus Fäkalien, Futterresten sowie Chemikalien und Medikamenten in die Umwelt ein. Das klang zunächst in meinen Ohren auch nicht gerade nach einer befriedigenden Alternative. Doch auch Zucht ist nicht gleich Zucht und es gibt Unterschiede: Zero-Input-Farmen verwenden z.B. keine Chemikalien, Medikamente oder Düngemittel und in der Bioaquakultur werden Umweltschutzmaßnahmen streng kontrolliert. Laut WWF-Fischratgeber sind Garnelen aus Bioaquakultur oder den Siegeln von Naturland und ASC nachhaltigere Alternativen zu denen aus Wildfang.

Mein Weg aus der Beifang-Misere

Doch mal ehrlich, selbst wenn wir nun also wissen, dass für Shrimps aus biologischer Aquakultur keine Massen Beifang entstehen: Wer fragt schon im Restaurant, ob die Shrimps für Pasta, Pizza oder Sushi aus biologischer Aquakultur stammen? Wohl die Wenigsten. (Und im Zweifel sagt der ahnungslose Kellner einfach rasch „ja“, um den Gast nicht zu verprellen.) Ein gutes Indiz ist sicherlich auch der Preis. Shrimps aus Bioaquakultur sind aufwendiger in der Zucht und daher deutlich teurer als aus konventioneller Aquakultur oder Wildfang. Bei einer Pizza mit Garnelen, die nur unwesentlich teurer ist als Pizza Funghi sollte man stutzig werden.

Im Zweifel lieber verzichten

Ich persönlich möchte nicht eine Müslischüssel voller Meereslebewesen auf dem Gewissen haben, wenn ich mir mal ein Gericht mit einer Handvoll Garnelen gönne. Daher habe ich entschieden, auf Shrimps überall dort zu verzichten, wo ich nicht nachvollziehen kann, woher sie stammen. Zugegeben, es fällt mir nicht immer leicht. Doch der Gedanke an die Delfine, Wale und Schildkröten, die ich mit meiner Entscheidung rette, hilft mir dabei, standhaft zu bleiben!

Wenn ihr mehr zum Beifang erfahren wollt, dann schaut doch auf der Webseite vom WWF Deutschland vorbei!

 

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Caroline Hübenbecker

Über mich
Caroline Hübenbecker

Naturschutz ist mir schon seit vielen Jahren ein großes Anliegen. Während einer Reise durch Süd- und Mittelamerika habe ich den innigen Wunsch verspürt, etwas zum Schutz der Ozeane beizutragen. Ich bin seit 2018 beim WWF und damit erfüllt sich ein lang gehegter Traum.

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