Baumwolle-Check: Wie nachhaltig arbeiten die Bekleidungsunternehmen?


Baumwolle ist eine der wichtigsten Kulturpflanzen der Menschheit © Asim Hafeez / WWF UK
Baumwolle ist eine der wichtigsten Kulturpflanzen der Menschheit © Asim Hafeez / WWF UK

Die Gossypia gehören zu den ältesten und wichtigsten Kulturpflanzen der Menschheit. Noch nie gehört davon? Das ist möglich. Noch nie damit zu tun gehabt? Das bezweifele ich. Die Gossypia sind eine Familie der Malvaceae, den Malvengewächsen und sind besser bekannt als Baumwollpflanzen.

Baumwolle ist die wichtigste Ressource für die Textilindustrie. Etwa ein Drittel aller Textilfasern werden aus ihr gefertigt. Demzufolge bin ich mir sehr sicher, dass in so gut wie jedem eurer Garderobe auch mindestens ein Kleiderstück aus Baumwolle hängt. Aber habt ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, die Baumwolle eures Shirts oder eurer Hose eigentlich herkommt? Wenn nicht, dann wird es Zeit.

Baumwolle: Lebensgrundlage für Millionen Menschen

Baumwolle wird in rund 80 verschiedenen Ländern angebaut. Die gesamte Anbaufläche beträgt etwa 30 Millionen Hektar (Zum Vergleich: Deutschlands Gesamtfläche umfasst etwa 35 Mio. Hektar). Etwa 100 Millionen Haushalte verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Kultivierung oder der Verarbeitung von Baumwolle. Klingt nach einer tollen Pflanze, zweifelsfrei.

Doch Baumwolle steht oftmals im Zusammenhang mit teilweise katastrophalen Anbaumethoden. Kaum eine andere Pflanze wird häufiger mit Pesti- und Insektiziden behandelt. Auch der Wasserverbrauch ist teilweise dramatisch. In einem einzigen Kilogramm Baumwolle stecken durchschnittlich 11.000 Liter Wasser. 


Nicht nur aus ökologischer Sicht genießt die Baumwollproduktion einen extrem schlechten Ruf. Immer wieder gibt es Berichte über Kinderarbeit, unzumutbare Arbeitsbedingungen und Hungerlöhnen. Bereits im Jahr 2014 waren mehr als zwei Drittel der weltweit angebauten Baumwolle genetisch modifiziert.

Nachhaltige Baumwolle

Es geht jedoch auch anders. Etwa 15 Prozent der weltweit angebauten Baumwolle gilt als nachhaltiger produziert. Derzeit gibt es fünf Standards (Organic Cotton bzw. Bio-Baumwolle, Fairtrade Cotton, Cotton made in Africa und Better Cotton), die aus unserer Sicht als nachhaltig bezeichnet werden können. Diese arbeiten mit unterschiedlichen Kriterien, gelten aber allesamt als wesentlich nachhaltiger als die konventionelle Baumwollverarbeitung.

In einer aktuellen Studie haben wir in Kooperation mit dem britischen Pesticide Action Network (PAN) untersucht, ob wie Unternehmen diese nachhaltige Baumwolle nutzen. Das Ergebnis ist dabei ziemlich ernüchternd. Denn obwohl es Alternativen gibt, werden sie kaum benutzt.

Konventionelle Baumwolle wird fast immer mit Pesti- und Insektiziden behandelt. © Asim Hafeez / WWF UK
Konventionelle Baumwolle wird fast immer mit Pesti- und Insektiziden behandelt. © Asim Hafeez / WWF UK

Sustainable Cotton Ranking 2017

Wir haben für unser „Sustainable Cotton Ranking 2017“ insgesamt 75 der größten Textilunternehmen untersucht, acht davon sind deutsche Firmen. Dabei haben wir uns angeschaut, wie transparent die Unternehmen arbeiten, wie ihre Einkaufspolitik auf nachhaltige Baumwolle ausgerichtet ist, inwiefern die Rückverfolgung der benutzten Ressourcen gegeben ist und schließlich ob sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verändert hat.  Das Ergebnis: durchwachsen.

Einige Vorreiter, viele Schlusslichter

Auf der einen Seite gibt es Firmen fünf eindeutige Vorreiter, die ernsthaft versuchen, nachhaltig mit der Ressource Baumwolle arbeiten. Diese fünf Unternehmen sind: Ikea, Tchibo, Marks & Spencer, C&A sowie Hennes & Mauritz. Im Mittelfeld finden sich zahlreiche bekannte Marken wieder (u.a. Adidas, Nike, Otto, Levis, Woolworth). Am unteren Ende unseres Rankings finden sich illustre Namen wie Zalando, Ralph Lauren und Forever21. Obwohl deren Interesse an nachhaltiger Baumwolle nur sehr gering zu sein scheint, geht es noch schlechter: Amazon, New Yorker, Footlocker, S Oliver oder Walmart gehören zu den Marken, die mit 0 Punkten bewertet wurden, weil es schlichtweg keinerlei Informationen über sie gibt und sie demnach noch nicht einmal begonnen haben, nachhaltigere Ressourcen zu verwenden.

Ist nachhaltige Baumwolle wirklich zu teuer?

Unser Ranking ist nicht nur für uns Umweltschützer interessant, weil wir sehen können, wie sich der Markt verhält, wie ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit umgesetzt wird bzw. inwiefern es überhaupt vorhanden ist. Die Untersuchung soll aber auch für euch als Konsumenten eine Hilfe sein. Oftmals wird aus Sicht der Unternehmen behauptet, es sei schlicht zu teuer, auf nachhaltige Baumwollstoffe zu setzen. Diesen Preisaufschlag würden die Kunden an der Kasse nicht akzeptieren und sei daher auch nicht umsetzbar. Dass diese Argumentation nicht der Wahrheit entspricht, beweisen die positiven Beispiele, von denen einige eher im unteren Preissegment produzieren und verkaufen.

Konsumenten haben die Macht

Ihr als Konsumente habt durchaus die Chance für einen Bewusstseinswandel zu sorgen. Wenn ihr künftig darauf achtet, woher die Baumwolle in eurem Shirt oder eurer Hose kommt und vielleicht sogar Marken meidet, die nach wie vor keinerlei Interesse haben, nachhaltige Ressourcen zu verwenden, werden die Unternehmen gezwungen sein, ihre Politik zu ändern.

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Jenny Walther-Thoß

Über mich
Jenny Walther-Thoß

Ich arbeite beim WWF Deutschland als Referentin für "Nachhaltige Biomasse".

1 Kommentar

  1. 7. Oktober 2017
    Antworten

    Wir als Konsumenten sollten hier wirklich aktiv werden und nur, oder zumindest vorwiegend, solche Kleidung kaufen, die aus nachhaltiger Produktion kommt. Ansonsten wird sich auch nichts ändern…

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