Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer: Die Inva­si­on der Glücks­brin­ger


So sieht der Asiatische Marienkäfer aus: Die meist heller gefärbte Art verdrängt heimische Marienkäfer.
Asiatischer Marienkäfer: Invasive Art. Foto: kie-ker / Pixabay / CC0 / bit.ly/2IrI7HZ

Über Mari­en­kä­fer freu­en sich fast alle. Sie sehen süß aus, gel­ten als Glücks­brin­ger und fres­sen ger­ne Blatt­läu­se. Doch ist Euch auf­ge­fal­len, dass Mari­en­kä­fer heu­te oft irgend­wie anders aus­se­hen als noch vor weni­gen Jah­ren? Eine Art wird immer häu­fi­ger, deren Grund­fär­bung auch oran­ge oder gelb­lich sein kann. Das ist der Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer (Har­mo­nia axy­ri­dis), der wegen sei­ner unter­schied­li­chen Fär­bun­gen „Har­le­kin“ genannt wird.

Wie kommt der Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer hier­her?

Ursprüng­lich in Chi­na und Japan behei­ma­tet, wur­de die Art im 20. Jahr­hun­dert zur bio­lo­gi­schen Schäd­lings­be­kämp­fung in Gewächs­häu­sern zunächst nach Nord­ame­ri­ka und dann auch nach Euro­pa ein­ge­führt. Und wahr­lich ist der Käfer ein ech­tes Blatt­laus­mons­ter. Schon die Lar­ve ver­tilgt in den zwei Wochen ihres Lebens bis zu 1200 Blatt­läu­se. Ein­mal aus­ge­wach­sen, geht es gleich wei­ter. Jeden Tag frisst ein Tier zwi­schen 100 und 270 Blatt­läu­se. Tag für Tag wäh­rend ihres gesam­ten Lebens, das im Extrem­fall bis zu drei Jah­ren dau­ern kann. Dazu bekommt der Har­le­kin noch zwei- bis drei­mal im Jahr Jun­ge. Eigent­lich ein Wun­der­tier, mit des­sen Hil­fe die Gärt­ne­rei­en vie­le Pes­ti­zi­de ein­spa­ren.

Ver­drän­gen asia­ti­sche Mari­en­kä­fer ein­hei­mi­sche Arten?

Hier sieht man den einheimischen Siebenpunkt-Marienkäfer, der durch den Asiatischen Marienkäfer verdrängt wird.
Bedroht: Hei­mi­scher Sie­ben­punkt-Mari­en­kä­fer. Foto: Pol­ly­Dot / Pixabay / CC0

Ja, genau das ist das Pro­blem: Der Har­le­kin-Käfer fühlt sich auch im Frei­land wohl und ver­drängt hier die ein­hei­mi­schen Mari­en­kä­fer. Im Jahr 1988 wur­de er zuerst in Loui­sia­na im Frei­land beob­ach­tet. Bis Mit­te der 1990er brei­te­te er sich bereits in 24 Bun­destaa­ten der USA vom Atlan­tik bis zum Pazi­fik aus. In Euro­pa wur­de er im Jahr 2001 zunächst in Bel­gi­en im Frei­land gesich­tet. Seit 2002 gibt es ihn in Mas­sen in West­deutsch­land, zwei Jah­re spä­ter in Frank­reich und der Schweiz und inzwi­schen ist er nahe­zu flä­chen­de­ckend vor­han­den.

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Zuneh­mend wird der Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer nun zur Bedro­hung für die ein­hei­mi­schen Tie­re. Sind die Blatt­läu­se näm­lich alle auf­ge­fut­tert, machen sich Lar­ven und Käfer über alles her, was sie ver­til­gen kön­nen. Dabei machen sie auch nicht vor ande­ren Mari­en­kä­fern und ihren Lar­ven halt. Und so wer­den die ein­hei­mi­schen Arten immer sel­te­ner.

Wel­che Mari­en­kä­fer sind in Deutsch­land hei­misch und was ist der Unter­schied zu den Asia­ti­schen Mari­en­kä­fern?

Von Natur aus kom­men in Deutsch­land über 70 Mari­en­kä­fer­ar­ten vor. Deren häu­figs­te sind der Sie­ben­punkt-Mari­en­kä­fer - wie der Name schon sagt, trägt er sie­ben schwar­ze Punk­te auf den roten Flü­gel­de­cken — und der Zwei­punkt-Mari­en­kä­fer. Es gibt aber auch gel­be und bräun­li­che oder dunk­le mit hel­len Punk­ten. Der Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer trägt auf sei­ner unter­schied­lich hel­len Grund­far­be bis zu 19 Punk­te. Die­se kön­nen sogar so aus­ge­prägt sein, dass es scheint, der Käfer sei schwarz mit roten Punk­ten.

An Nah­rung ver­tilgt der Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer fünf­mal so viel wie der Sie­ben­punkt. Und wäh­rend der Sie­ben­punkt nur ein­mal im Jahr Kin­der bekommt, sor­gen die Har­le­kins jähr­lich für bis zu drei Genera­tio­nen.

Das „Gift“ der Asia­ti­schen Mari­en­kä­fer

For­scher aus Jena haben einen wei­te­ren Grund gefun­den, war­um der Har­le­kin so viel kon­kur­renz­fä­hi­ger ist als die ein­hei­mi­schen Arten: eine Art „Bio­waf­fe“. Im Blut des Asia­ti­schen Mari­en­kä­fers fin­den sich Micro­spo­ri­d­i­en, pil­zähn­li­che Ein­zeller, die Kör­per­zel­len eines Wir­tes befal­len und ihm nach­hal­tig scha­den kön­nen. Mit den gefähr­li­chen Ein­zellern kön­nen sich ein­hei­mi­sche Mari­en­kä­fer­ar­ten infi­zie­ren, wenn sie Eier und Lar­ven des Har­le­kins fres­sen wol­len. Der Har­le­kin hin­ge­gen ist immun.

 

Kann der Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer bei­ßen und ist das gefähr­lich für den Men­schen?

Tat­säch­lich kön­nen Har­le­kin-Käfer bei­ßen und die­sen klei­nen Biss spürt man auch. Er ist aber nicht gif­tig und für Men­schen unge­fähr­lich.
Man­che von Euch wer­den viel­leicht auch ander­wei­tig schon unter den Asia­ti­schen Mari­en­kä­fern gelit­ten haben: Im Herbst kön­nen sie zur Pla­ge wer­den, wenn sie zu Tau­sen­den Unter­schlupf für den Win­ter suchen und zum Bei­spiel plötz­lich in einer rie­si­gen Trau­be in der Woh­nung unter der Decke hän­gen.

Wie wird man die Mari­en­kä­fer-Pla­ge los?

Hier sieht man Asiatische Marienkäfer bei der Vermehrung. Sie verdrängen die heimischen Arten.
Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer ver­meh­ren sich schnell. Foto: Brett_Hondow / Pixabay / CC0

Eine Bekämp­fung der Asia­ti­schen Mari­en­kä­fer ist schwie­rig. Doch ein paar Tipps gibt es: Ihr könnt vor­sor­gen, damit die Har­le­kin-Käfer nicht ins Haus ein­drin­gen. Sie wer­den von hel­len, von der Son­ne ange­strahl­ten Flä­chen ange­zo­gen. Beson­ders hier soll­te man Beschä­di­gun­gen an Putz, Fens­tern und Türen fli­cken. Auch Flie­gen­git­ter hel­fen. Die Asia­ti­schen Mari­en­kä­fer rich­ten aber kei­nen Scha­den an und ver­fal­len in eine Art Win­ter­star­re. Dann kann man sie ganz ein­fach mit Besen und Schau­fel auf­sam­meln und nach drau­ßen brin­gen.

Ins­ge­samt wer­den wir den Har­le­kin in Deutsch­land und Euro­pa nicht mehr los. Ein­mal hier, ist er nun nicht mehr zu bekämp­fen. Und natür­li­che Fein­de haben Mari­en­kä­fer bei uns weni­ge, weil die Hämolym­phe, das „Blut“ der Käfer, so schlecht schmeckt.

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Das Pro­blem mit ein­ge­schlepp­ten, inva­si­ven Arten

An die­sem Bei­spiel sieht man, dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist. Wir wis­sen viel zu wenig, um frem­de Tier- und Pflan­zen­ar­ten bewusst bei uns ein­zu­schlep­pen und ins Frei­land zu ent­las­sen. Die Aus­wir­kun­gen auf die Öko­sys­te­me sind nicht vor­her­zu­se­hen. Das trifft noch mehr auf gen­tech­nisch ver­än­der­te Lebe­we­sen zu. Des­halb Fin­ger weg davon!

Ster­ben die ein­hei­mi­schen Mari­en­kä­fer aus?

Dafür dass die ein­hei­mi­schen Mari­en­kä­fer nun aus­ster­ben, gibt es bis jetzt kei­ne Anhalts­punk­te. Vie­le ein­ge­schlepp­te Arten neh­men nach einem ers­ten „Hoch“ wie­der ab, weil doch noch Krank­hei­ten oder Fein­de aus ihrer Hei­mat nach­kom­men. Nur weni­ge sind wirk­lich so inva­siv, dass sie ein­hei­mi­sche Arten dau­er­haft ver­drän­gen. Auf jeden Fall ist es ein Grund, etwas genau­er zu betrach­ten, was in unse­rer Natur vor sich geht.

Übri­gens: War­um der Mari­en­kä­fer Mari­en­kä­fer heißt

Der Name Mari­en­kä­fer kommt von der guten Eigen­schaft der klei­nen Krabb­ler, so vie­le Schäd­lin­ge zu fres­sen: Ein Tier, das soviel Gutes tut, muss ein Geschenk der Jung­frau Maria an die Bau­ern sein. Die­ses Mus­ter eines nütz­li­chen Insekts kommt im Anse­hen gleich nach den flei­ßi­gen Bien­chen.
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Über mich
Albert Wotke

Schon als kleiner Junge in Nürnberg begeisterte ich mich für die Wunderwelt von Tieren und Pflanzen und wollte Biologe werden. Seit meiner Jugend arbeite ich ehrenamtlich in verschiedenen Naturschutzorganisationen. Nach dem Biologiestudium forschte ich einige Zeit zur Entwicklung von Naturwaldreservaten, arbeitete als freier Journalist zu Naturschutz- und Umweltthemen und leitete 13 Jahre lang die Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. Beim WWF setze ich mich seit 2014 dafür ein, die Naturschätze in Deutschland zu erhalten und den Verlust der Biodiversität zu stoppen.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Max
    10. September 2019
    Antworten

    Sehr inter­es­san­ter Bei­trag! Ich beschäf­ti­ge mich gera­de an der Uni­ver­si­tät mit Neo­phy­ten und Neo­bio­n­ten. Der Asia­ti­sche Mari­en­kä­fer ist auf jeden Fall ein gutes Bei­spiel dafür.
    Ich fin­de sehr gut, dass am Ende noch mal ange­spro­chen wur­de, dass es eine Pro­ble­ma­tik mit inva­si­ven Arten gibt, wel­che man genau im Auge behal­ten soll­te, damit die ein­hei­mi­sche Flo­ra und Fau­na nicht beein­träch­tigt oder ver­drängt wird.

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