Die Ammer ist der Hammer – als WWF-Trainee im Voralpenland


Ammer in Schnee und Eis
Frostiges Vergnügen an der Halbammer © Arite Hildebrandt

Folgt uns durchs Traineejahr!

„Werdet Naturschutzprofi“, kündigten der WWF Deutschland und die Allianz Umweltstiftung in einer Stellenausschreibung für eine neue Ausbildung im Naturschutz an. Ein einjähriges Programm soll Trainees in fünf verschiedenen Einsatzstellen deutschlandweit an Managementaufgaben in Natur- und Umweltschutzorganisationen heranführen. Im Oktober 2017 sind wir gestartet. Wir, das sind Arite, Anne, Florian, Natalie und Nina – verteilt auf fünf Einsatzstellen von Rügen bis Weilheim.

Damit Ihr über die Höhen und Tiefen unserer Erfahrungen auf dem Laufenden bleibt, melden wir uns jeden Monat aus unserem Traineejahr bei Euch und berichten von unseren Projekten. In unserem zweiten Blogeintrag, nimmt Euch Arite mit ins bayerische Voralpenland. Wir hoffen, Euch mit unserer Begeisterung anstecken zu können! 

Im vergangenen Monat nahm euch meine Trainee-Kollegin Natalie in ihrem Blogbeitrag mit zu den Kreidefelsen auf Rügen. Von dort möchte ich euch heute gerne 1000 Kilometer gen Süden entführen, an die Ammer. Zu meiner Einsatzstelle im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Im beschaulichen Weilheim hat der WWF 2011 das kleine Projektbüro Wildflüsse und Alpen ins Leben gerufen. Hier wurde im Herbst 2017 ein weiterer Schreibtisch für mich hineingestellt.

Berge, nicht nur zum Skifahren lernen

Über viele Umwege bin ich nun also aus meiner Heimat Berlin in den Bergen angekommen. Je nach Sicht kann ich auf meinem Arbeitsweg das spektakuläre Alpenpanorama mit den schneebedeckten Bergkuppen genießen. Ein Vorsatz für das nächste Jahr: Endlich richtig Skifahren lernen! Wenn nicht jetzt, wann dann? Aber ich bin natürlich nicht nur zum Spaß hier.

Berglandschaften mit ihren kristallklaren blauen Seen, Flüssen und Schluchten haben mich schon lange fasziniert. Ich möchte mich mit diesen faszinierenden Ökosystemen beruflich beschäftigen und mich vor allem in Gewässerökologie und Wasserwirtschaft weiterbilden. Ein weites Feld, wie ich schnell bemerkt habe. Somit bin ich sehr froh, von dem geballten Expertenwissen meiner Kollegen und Projektpartner zu profitieren.

Für lebendigere Alpenflüsse

Momentan ist die Hauptaufgabe unseres Büros die Koordination des Projekts „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“. 18 Partner aus Naturschutz, Verwaltung, Wirtschaft und dem Sozialbereich haben sich dafür zusammengeschlossen. In der näheren Umgebung wurden durch das Bundesamt für Naturschutz gleich zwei Regionen als „Hotspots der biologischen Vielfalt“ ausgewiesen. Sie zeichnen sich durch eine hohe Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten und Lebensräume aus. Diese Gebiete formen auch das Hotspot-Projektgebiet.

Ammer Schleife bei Altenau
Im Bereich der Altenauer Schleifen glänzt die Ammer noch mit ihrem Wildflusscharakter © Arite Hildebrandt

Der Plan ist, Lebensräume entlang der Flüsse Lech, Ammer, Loisach und Isar wiederherzustellen. Charakteristische Arten wie Flussregenpfeifer, Bachforelle und deutsche Tamariske sollen durch bewusstseinsbildende Maßnahmen und durch naturschutzfachliche Pflege erhalten werden. Eine große Herausforderung, bei der die Beteiligten voller Überzeugung versuchen, an einem Strang ziehen.

Die Ammer ist der Hammer

Es ist meine große Hoffnung, die Projektregion in meinem Trainee-Jahr so gut wie möglich kennenzulernen. Dadurch hoffe ich, die Planung und Umsetzung eines derartig komplexen Projekts besser zu verstehen.

Gleich zu Beginn meiner Arbeit konnte ich die Ammer von ihrer Quelle bis zu ihrer Durchquerung der Ammerschlucht besichtigen. Gemeinsam mit unserem Besuch vom European Rivers Network fuhren wir die Ammer ab.  Dieser großartige Flusslauf hat so viele „Gesichter“! Bei strahlendem Sonnenwetter besichtigten wir die Ammerquelle, begradigte und eingedeichte Abschnitte, Querbauwerke und Wasserkraftanlagen. Wir besuchten aber auch ursprüngliche, wunderbar wilde  Abschnitte. Als begeisterte Vogelbeobachterin konnte ich mein Glück kaum fassen, als ich im Bereich der Altenauer Schleifen Wasseramsel und Eisvogel erblickte.

Frostiges Vergnügen

Bei Schnee und Eiseskälte war ich außerdem bei einem Ausflug an die Halbammer, einem Zufluss der Ammer, mit Vertretern der Ammer-Allianz dabei. Durch die Exkursion konnten wir den geplanten Bau eines Kleinwasserkraftwerks besser verstehen und das Vorhaben aus naturschutzfachlicher Sicht bewerten.

In den kommenden Wochen wird sich mein Team intensiv mit der strategischen Ausrichtung des WWF-Büros in Weilheim befassen. So geht es in erster Linie darum, Möglichkeiten für Folgeprojekte und Fördermöglichkeiten auszuloten. Damit sich der WWF auch nach Abschluss des Hotspot-Projekts 2020 weiter für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern einsetzen kann. Außerdem ist ein Umzug in größere Räumlichkeiten geplant, um die Sichtbarkeit des WWF in der Bevölkerung zu steigern.

Ich selber werde in den kommenden Monaten an einer Naturtourismusstudie an der Ammer mitarbeiten. Es bleibt also spannend und natürlich werde ich euch in meinem nächsten Blogbeitrag über die neuesten Ereignisse und Entwicklungen bei uns im Süden berichten.

Nun aber erst einmal fröhliche Weihnachten und rutscht gut ins neue Jahr!

Habt ihr Fragen zum Traineeprogramm, meiner Arbeit oder dem WWF? Schreibt mir hier!

 

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Arite Hildebrandt

Über mich
Arite Hildebrandt

Seit Oktober 2017 bin ich als Trainee des WWF Deutschland am Standort Weilheim dabei, um mich hier für den Erhalt natürlicher Fließgewässer in Bayern einzusetzen. Ich bin eine reiselustige Berlinerin mit einem Masterabschluss im Bereich der internationalen Forstwissenschaften, habe ein großes Herz für Tiere und bin gerne in der Natur unterwegs. Mein Ziel ist es, zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland und darüber hinaus beizutragen und dadurch eine lebenswerte Zukunft mitzugestalten.

2 Kommentare

  1. Johannes
    5. Januar 2018
    Antworten

    Hallo Arite,
    ich bin Johannes, 27 Jahre alt und gerade am Ende meines Masterstudiums im Nachhaltigen Ressourcenmanagement an der TU München.

    Da ich mich bald auf Jobsuche begeben werde und eine Managementaufgabe in einer Naturschutzorganisation meinen großen Berufswunsch darstellt, bin ich auf das Traineeprogramm des WWF aufmerksam geworden und habe auch deinen Blogeintrag über deine Zeit an der Ammer mit großem Interesse gelesen.
    Ich würde mich sehr gern auf die diesjährige Runde des Traineeprogrammes bewerben.
    Weil ich es aber recht schwierig finde, Einzelheiten über den genauen Programmablauf, die Ziele des Trainees sowie die Voraussetzungen dafür herauszufinden, würde ich dich gerne eine wenig zu deinen Erfahrungen befragen.

    Wäre es für dich in Ordnung, wenn wir einmal telefonieren oder per Email darüber sprechen, was man für eine Bewerbung mitbringen muss, was genau in den 12 (?) Monaten als Trainee passiert und was die Ziele der Ausbildung oder mögliche Weiterbeschäftigungen danach sind?

    Danke dir schon im Voraus und noch viel Spaß an der Ammer,
    Johannes

  2. Lieber Johannes,

    vielen Dank für dein Interesse! Ich gebe dir gerne Auskunft und werde mich mit dir in Verbindung setzen. 🙂

    LG,

    Arite

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