Die Rückkehr der Biber – acht Fakten über ein außergewöhnliches Nagetier


Biber im Wasser
Der Biber im Wasser © Allan Colton / WWF

Biber waren einst in ganz Europa weit verbreitet. Die Urbiber lebten bereits vor rund 38 Millionen Jahren und auf der gesamten nördlichen Hemisphäre existierten noch vor etwa 100 Jahren mehr als 180 Millionen Biber. In vielen Regionen genossen sie großen Respekt, beispielsweise glauben zahlreiche indianische Kulturen, dass Manitu, der Erschöpfer, die Biber beauftragte, die Flüsse, Auen und Seen anzulegen. Heute gibt es jedoch nur noch wenige Biber – bis vor wenigen Dekaden galten sie als fast vollständig ausgerottet. Der Verlust ihrer Lebensräume durch Flussbegradigungen dezimierte ihre Bestände rapide. Biber wurden aber auch wegen ihres Pelzes und ihres Fleisches intensiv bejagt. Inzwischen haben sich die Bestände wieder erholt, sehr zum Wohl ihrer Lebensräume. Denn Biber sind aus einer Vielzahl von Gründen besonders wichtige und beeindruckende Tiere.

Biber sind die größten Nagetiere Europas

Biber sind die größten Nagetiere Europas © WWF Austria
Biber sind die größten Nagetiere Europas © WWF Austria

Biber sind die größten Nagetiere in ganz Europa. Sie können eine Körperlänge von bis zu 135 Zentimetern erreichen und dabei stolze 36 Kilogramm auf die Waage bringen. Auf der ganzen Welt gibt es lediglich eine einzige Nagetierart, die Biber in ihrer Größe überragen – das in Südamerika beheimatete Wasserschwein.

Biberpelz – 25.000 Haare pro Quadratzentimeter

Der Biberpelz ist besonders dicht an Haaren. © iStock / Getty Images
Der Biberpelz ist besonders dicht an Haaren. © iStock / Getty Images

Der Pelz der Biber hat eine ganz besonders hohe Haardichte an Haaren. Pro cm² wachsen bei einem Biber bis zu 23.000 Haare. Bei einem Menschen sind es im Vergleich dazu nur 600 Haare pro cm². Auf dem Rücken ist das Biber-Fell dünner mit nur etwa 12.000 Haaren pro cm². Die dichtesten Stellen sind bei Bibern auf dem Bauchfell zu finden. Das dichte Fell ist ein perfekter Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit.

Die wohl besten Holzfäller der Welt

Biber sind die wohl besten Holzfäller der Welt © iStock / Getty Images
Biber sind die wohl besten Holzfäller der Welt © iStock / Getty Images

Biber sind die wohl besten Holzfäller der Welt, denn sie benötigen keinerlei Hilfsmittel, um Bäume zu fällen. Alles, was sie dazu benötigen, sind ihre Zähne und eine ausgefeilte Beißtechnik. Für eine acht Zentimeter dicke Weide beispielsweise benötigen Biber nicht länger als fünf Minuten. Besonders beeindruckend ist der Beißdruck, den Biber erreichen können. Beißen sie einmal richtig zu, erzeugen sie eine Kraft von 120 Kilogram pro cm². Diese Leistung überragt die der Menschen um ein Sechsfaches.

Wie aus Nagetieren einst Fische wurden

Biber galten im Mittelalter als Fisch © Ron Sanford / iStock / Getty Images
Biber galten im Mittelalter als Fisch © Ron Sanford / iStock / Getty Images

 

Im Mittelalter galten Biber als Fische. Das lag aber vermutlich weniger an mangelnden Biologiekenntnissen, sondern vielmehr an der Schlitzohrigkeit einiger Mönche. Während der Fastenzeit sollen die Christen kein Fleisch von „warmen Tieren“ essen. Der Verzehr von Kaltblütern ist jedoch erlaubt. Aus diesem Grund gibt es bis heute in vielen Klöstern Fischteiche. Einigen Mönchen reichte der Fischverzehr jedoch nicht, daher wurden die Nagetiere kurzerhand ebenfalls zu Fischen erklärt. Der schuppige Schwanz und die Tatsache, dass sich Biber überwiegend im Wasser aufhalten, reichten dafür aus. Während des Konstanzer Konzils (1414–1418) wurde diese Entscheidung offiziell verabschiedet. Sie waren fortan Fische und durften somit während der Fastenzeit verspeist werden.

Biber sind die größten Baumeister der Welt

Die Baue und Dämme der Biber sind wahre Wunderwerke © Claire Tranter / WWF Deutschland
Die Baue und Dämme der Biber sind wahre Wunderwerke © Claire Tranter / WWF Deutschland

Biber bauen teilweise gigantische Dämme. Der größte jemals entdeckte Damm ist so groß, dass man ihn sogar aus dem Weltall erkennen kann. Im kanadischen Wood-Buffalo-Nationalpark gibt es einen Damm, der sich über eine Länge von 850 Metern erstreckt. Forscher sind eher zufällig auf ihn gestoßen, als sie den Dauerfrost in Alberta untersuchen wollten. Anschließend verglichen sie aktuelle Satellitenaufnahmen mit älteren Bildern und stellten fest, dass die Nager bereits in den 70er-Jahren mit dem Bau begonnen haben müssen, denn zu diesem Zeitpunkt konnte man die ersten Strukturen nachvollziehen. Die Biber waren demnach über viele Generationen hinweg mit dem Bau des gigantischen Dammes beschäftigt.

Drei Biber-Generationen bilden eine typische Biberfamilie

Biber sind gar nicht gerne allein. Sie sind sehr treue und monogame Familienwesen © Thomas-Stephan / WWF Deutschland
Biber sind gar nicht gerne allein. Sie sind sehr treue und monogame Familienwesen © Thomas-Stephan / WWF Deutschland

Biber sind treue und monogame Lebewesen. Die Familienstrukturen ähneln jener der Menschen oder auch der Wölfe. In einer Familie leben üblicherweise das Elternpärchen und zwei weitere Generationen, also die Kinder und die Enkelkinder. Die Größe ihres Reviers kann sich dabei unterscheiden. Normalerweise gibt es an einem See nur eine einzige Biberfamilie, es sei denn es handelt sich um einen besonders großen See. In solchen Fällen können auch mehrere Familien gleichzeitig diesen für sich beanspruchen.

Bibergeil – der Stoff aus dem Parfüm gemacht wird

Das Sekret der Biber wird auch gerne in der Parfümindustrie verwendet Foto: CC BY SA 3.0 Maša Sinreih https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Castoreum1.JPG#/media/File:Castoreum1.JPG
Das Sekret der Biber wird auch gerne in der Parfümindustrie verwendet Foto: CC BY SA 3.0 Maša Sinreih

Biber grenzen ihr Revier mit einem Sekret ab, das auch als Bibergeil oder Castoreum bekannt ist. Biber, die im Lateinischen als Castor bezeichnet werden, bilden dieses Sekret in den Drüsensäcken. Die Nager nutzen diese fetthaltige Flüssigkeit auch, um ihr Fell damit zu pflegen. Der Geruch ähnelt Baldrian und ihm wird eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Daher wurde Bibergeil auch lange Zeit in Parfüms verwendet.

Die Rückkehr der Biber

Die Verbreitung des Elbebibers © Biosphärenreservat Mittelelbe
Die Verbreitung des Elbebibers © Biosphärenreservat Mittelelbe

In Deutschland waren die Biber bereits im 19. Jahrhundert fast komplett ausgerottet. Nur eine kleine Population von nicht mehr als 190 Tieren überlebte in der Mittelelbe-Region. Diese „Elbebiber“ sind dafür verantwortlich, dass sich die Bestände in ganz Europa erholen, denn bereits in den 1940er Jahren wurden einzelne Elbebiber in verschiedenen europäischen  Regionen ausgesiedelt. Insgesamt waren es über 500 Nagetiere, die so aus Mitteldeutschland nach ganz Europa geschickt wurden. Aktuell leben in ganz Deutschland fast 30.000 Individuen – der Großteil von ihnen in der so genannten „Mittleren-Elbe-Region“.

Hier befindet sich auch unser größtes Projektgebiet in Deutschland, als Teil des UNESCO Biosphärenreservats Mittelelbe. Unser Ziel ist es, dass sich zukünftig die Natur wieder frei entfalten kann – zum Wohl für Biber und bedrohte Arten wie Seeadler und Wildkatzen. Und zum Wohl der Menschen vor Ort – das Gebiet wird als Überflutungsfläche dem natürlichen Hochwasserschutz dienen. Am 16. September waren wir daher zusammen mit rund 120 Freiwilligen bei einer Mitmach-Aktion dabei, um die wertvollen Auenwälder wieder beleben.

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Über mich
Markus Winkler

Online Campaigner beim WWF. Aktuell arbeite ich an unseren #SaveSelous und #NatureAlert-Kampagnen.

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