1000 Tage Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men – wo ste­hen wir im Kampf gegen die Erd­er­wär­mung?


Eiffeltürme als Souvenir. Das Pariser Klimaabkommen ist jetzt 1000 Tage alt.
Das Pariser Klimaabkommen muss jetzt jeden Tag gelebt werden Syam Sundar CC0 https://unsplash.com/photos/jQGgk8nziFo

Die Gefüh­le vom Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men vom Dezem­ber 2015 sind noch in guter Erin­ne­rung: Der deut­schen Umwelt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks lie­fen die Trä­nen über die Wan­gen. Tau­sen­de Dele­gier­te aus aller Welt waren erschöpft, gerührt und erleich­tert zugleich. Auch ich hat­te einen Kloß im Hals, als nach unend­li­chen, zähen Ver­hand­lungs­run­den auf der COP 21 das Abkom­men gegen die Erd­er­wär­mung unter Dach und Fach war.

Paris: Das ers­te ver­bind­li­che Kli­ma­ab­kom­men!

Die fran­zö­si­sche Prä­si­dent­schaft hat­te den Durch­bruch in der glo­ba­len Kli­ma­di­plo­ma­tie geschafft – das ers­te welt­weit ver­bind­li­che Kli­ma­ab­kom­men. 1000 Tage ist das nun her. Für mich ist das ein Anlass für eine kur­ze Bestands­auf­nah­me. Was ist von der Eupho­rie geblie­ben? Wo sind die wich­tigs­ten Bau­stel­len?

Auf der fast schon legen­dä­ren COP 21 war der Wil­le spür­bar, die Wis­sen­schaft end­lich ernst zu neh­men. Das Abkom­men macht klar, dass sich die Welt unwi­der­ruf­lich von Koh­le, Öl und Gas ver­ab­schie­den muss.

Trumps Aus­stieg aus dem Kli­ma­ab­kom­men ohne Ket­ten­re­ak­ti­on

Selbst die Regie­rungs­über­nah­me Donald Trumps in den USA konn­te dar­an nichts ändern. Sei­ne Ankün­di­gung, das Abkom­men zu ver­las­sen, hat­te kei­ne Ket­ten­re­ak­ti­on zur Fol­ge. Im Gegen­teil: Die G20 und vie­le ande­re Staa­ten ste­hen zu ihren Aus­sa­gen zum Kli­ma­schutz. Und in den USA wird eine Alli­anz aus Bun­des­staa­ten und tau­sen­den Städ­ten und Gemein­den immer stär­ker, die sich mit ihrer Initia­ti­ve „We are still in“ aus­drück­lich hin­ter die Zie­le von Paris stel­len.

Das welt­wei­te Bekennt­nis, die glo­ba­le Erd­er­hit­zung unter 2 Grad, mög­lichst auf 1,5 Grad Cel­si­us zu begren­zen, ist aber lei­der bei Wei­tem noch nicht ein­ge­löst. Denn die Lücke zwi­schen den Ver­spre­chen von Paris und den tat­säch­lich zuge­sag­ten natio­na­len Kli­ma­bei­trä­gen ist nach wie vor gewal­tig. Der­zeit steu­ern wir wei­ter auf eine durch­schnitt­lich min­des­tens drei Grad hei­ße­re Welt zu. Ange­sichts des Rekord­som­mers 2018 braucht man wenig Phan­ta­sie, um sich aus­zu­ma­len, was das für Mensch, Natur, aber auch die Wirt­schaft bedeu­tet. Ande­re Län­der lei­den schon längst viel mehr als wir in Euro­pa unter Stür­men, Dür­ren und Über­schwem­mun­gen.

Ver­pflich­tun­gen des Kli­ma­ab­kom­mens

Der­zeit wer­den bei Vor­ver­hand­lun­gen in Bang­kok die Spiel­re­geln für das Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men dis­ku­tiert, so dass die­se für die Umset­zung der atio­na­len Ver­pflich­tun­gen (NDC) ab 2020 zur Ver­fü­gung ste­hen. Das Regel­werk wird vor dem nächs­ten Kli­ma­gip­fel im Dezem­ber 2018 in Polen vor­be­rei­tet, damit die Minis­te­rin­nen und Minis­ter es dort beschlie­ßen kön­nen.

Es blei­ben vie­le Fra­gen offen. Und der Zeit­druck steigt. Dazu gehö­ren Finan­zen genau­so wie die Trans­pa­renz. Es muss ver­hin­dert wer­den, dass die Ver­ur­sa­cher des Kli­ma­wan­dels sich weg­du­cken und die ärms­ten Län­der teu­er bezah­len.

Deutsch­land hängt hin­ter­her

Vor allem Deutsch­land und die EU spie­len lei­der kei­ne Vor­rei­ter­rol­le im Kli­ma­schutz mehr: Die EU Kli­ma­zie­le wur­den nie an Paris ange­passt und soll­ten drin­gend vor 2020 in einem neu­en NDC von der­zeit min­des­tens 40 Pro­zent auf min­des­tens 55 Pro­zent Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen gegen­über 1990 erhöht wer­den.

Immer­hin gibt es in der EU eine Initia­ti­ve, das NDC zu erhö­hen. Die­se Erhö­hung muss aber so erfol­gen, dass die Pari­ser Kli­ma­zie­le erreich­bar wer­den. Aus­ge­rech­net die Bun­des­kanz­le­rin hat die­ser nöti­gen Dis­kus­si­on eine Absa­ge erteilt. Mit die­ser Hal­tung gefähr­det sie die Pari­ser Kli­ma­zie­le, die nur erreich­bar wer­den, wenn immer mehr Staa­ten ihre NDCs erhö­hen. Ohne die EU kann ein sol­cher Pro­zess kaum in Gang kom­men. War­um steht die Bun­des­kanz­le­rin, die zuletzt beim G20-Gip­fel erfolg­reich für eine Bekräf­ti­gung des Pari­ser Abkom­mens gekämpft hat, der­ma­ßen auf der Brem­se beim inter­na­tio­na­len Kli­ma­schutz? Weil sie beim Kli­ma­schutz zu Hau­se nicht vor­an­kommt: Seit 2009 sind die Emis­sio­nen hier­zu­lan­de nicht mehr gesun­ken. Noch immer nut­zen wir dre­cki­ge Koh­le in der Strom­erzeu­gung und beim Ver­kehr, der Land­wirt­schaft und bei Gebäu­de­ef­fi­zi­enz ist teil­wei­se gar nichts pas­siert. Statt­des­sen wur­den bestehen­de Kli­ma­zie­le sang- und klang­los auf­ge­ge­ben. Ein fata­les Signal an die inter­na­tio­na­le Staa­ten­ge­mein­schaft.

Was jetzt beim Kli­mab­kom­men pas­sie­ren muss

Wenn die Bun­des­re­gie­rung es ernst meint mit ihren Zusa­gen zu Paris, muss drin­gend nach­ge­steu­ert wer­den. Kon­kret heißt das: Koh­le­aus­stieg, bei dem die dre­ckigs­ten Kraft­wer­ke vom Netz gehen und der bis 2035 voll­endet ist. Ein wei­te­rer und schnel­le­rer Aus­bau von Erneu­er­ba­ren, eine zukunfts­fä­hi­ge Ver­kehrs­wen­de, Kli­ma­schutz in Indus­trie, Land­wirt­schaft und mehr Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Es bleibt also eini­ges zu tun.

Der Kli­ma­wan­del war­tet nicht auf die Poli­tik und gut gemein­te Zusa­gen rei­chen lei­der nicht aus. Die Staa­ten­ge­mein­schaft muss sich erheb­lich stär­ker enga­gie­ren, um die Welt vor den dra­ma­ti­schen Fol­gen der Erd­er­hit­zung zu bewah­ren. Die Lösun­gen sind längst ver­füg­bar. Schluss mit fos­si­len Ener­gie­trä­gern! Die Nut­zung sau­be­rer Tech­no­lo­gi­en, eine Ver­kehrs­wen­de oder Stei­ge­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz sind kein Hexen­werk. Aber sie kos­ten poli­ti­schen Wil­len. Wird die Bun­des­re­gie­rung ihre Zusa­gen ein­lö­sen? oder sich im Kampf gegen die Erd­er­hit­zung geschla­gen geben? Was zu tun ist, wis­sen wir längst. Jetzt muss die Bun­des­re­gie­rung end­lich ent­schlos­sen Kli­ma­schutz umset­zen.

Vorheriger Beitrag Wo finde ich Steinpilze? Tipps für's erfolgreiche Pilze sammeln
Nächster Beitrag Wie kommt der Plastikmüll ins Meer?
Kristin Reißig

Über mich
Kristin Reißig

arbeitet als Referentin Policy Advisor Climate & Energy im Fachbereich Politik & Klimaschutz beim WWF Deutschland in Berlin.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Anton
    29. März 2019
    Antworten

    Wenn Sie bei IPCC stu­diert haben, haben Sie auch Ihre Haut längst auf die­sem Markt ver­kauft. Bril­le abneh­men und ein­fach sehen: es gibt kein Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men mehr. Statt­des­sen Pari­ser Gilets Jau­nes Bewe­gung. Le Roi est mort, vive le Roi. Ken­nen Sie nicht die Geschich­te?

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.